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Beitrag vom 30.01.2017, 19:30 Uhr
Jana Sussmann
Jana Sussmann
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Beiträge: 31
 Meine Eindrücke vom Treffen mit der Uelzener MS-Gruppe
Besuch der Kontaktgruppe Kreis Uelzen, 2. November 2016


Ich kam zu spät und dann noch patschnass. Zugpanne und Regenschauer – ein super erster Eindruck. Die Gesellschaft hatte schon mit dem Kaffeetrinken begonnen, deshalb rief ich nur ein kurzes Hallo in die Runde, wischte mir die Tropfen aus dem Gesicht und aß erst mal Kuchen. Während meine Füße zwar nicht trockener wurden, hat sich meine Laune aber schnell zum Fröhlichen gewendet. Die Kontaktgruppe aus dem Kreis Uelzen macht einem das auch leicht: ein erzählfreudiger, lebendiger Haufen! Ich kam schnell mit Frau Edla Hussein (sehr cooler Name, sie heiratete einen Ägypter) ins Gespräch. Sie ist die Dame, die an der Seite von Frau Susanne Rother die monatlichen Zusammenkünfte organisiert. Die Kontaktgruppe besteht aus etwa 30 Leuten, trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat im Gemeindehaus beim katholischen Pfarramt Bad Bevensen. Frau Hussein ist keine MS-Betroffene, sondern sprang vor drei Jahren ein und verhinderte damit, dass die Gruppe sich auflöste. Frau Susanne Rother ist der Boss der Runde. Sie hat MS, was ihrem Lebensfrohmut aber nicht in die Quere kommt. Mit ihr habe ich später lange gesprochen. Über Hundeurlaube, Familiengründung und das Leben mit MS: Frau Rother arbeitet an zwei Tagen für dreieinhalb Stunden als Bäckereifachangestellte, was sie früher als Vollzeitdame erledigte. Oft geht sie mit ihrem geliebten Schäferhund-Collie spazieren, liebt Urlaube mit Mann und Hund an der Küste. „Dort kann ich stundenlang am Strand spazieren, ohne zu ermüden. Ich glaube, es ist die Seeluft, die mir so guttut.“

Frau Rother und Frau Hussein organisieren auch die Weihnachtsfeier. Anfang De-zember geht die Gruppe statt eines Gruppentreffens schön essen und genießen die Winterzeit.
Die Uelzener Kontaktgruppe hat eine Homepage. Das finde ich modern und wichtig. Für die sorgt Frau Rother, alle aktuellen Termine sind darauf zu finden. Dabei auch der Text, der über die monatlichen Treffen erzählt. Ein Ausschnitt:

„An den Treffen nehmen meist zwischen 10 und 20 Leute teil.
Aber auch Angehörige an Multiple Sklerose Erkrankten sind immer gern gese-hene Gäste. Hier können diese Erfahrungen und Unterstützungsmöglichkeiten mit anderen Angehörigen und den Erkrankten austauschen.
Wir trinken zusammen Kaffee und wir reden gemeinsam über uns und die Welt.
Unsere Gruppe besteht seit über 30 Jahren und wir würden uns auf Zuwachs freuen.
Auf dieser Seite findet ihr Informationen und Termine zu unseren Aktivitäten.“

Genauso ist es. An diesem November-Treffen waren wir 21 Anwesende, inklusive Frau Heus, zwei treuen Helferdamen, mir und dem Fahrer eines Rolli-Gasts, der gefragt wurde, ob er nicht auf eine Tasse Kaffee reinkommen möge, statt draußen zeitunglesend im Auto zu warten. Das Anwesenheitslisten-Buch geht rum (Es riecht alt, sieht aber äußerst gepflegt aus und wird schon seit 2010 geführt, steht darauf.) Die Gruppe organisiert neben den monatlichen Treffen auch Tagesausflüge. Im Filmtierpark waren sie schon, im Sommer gibt ein jährliches Grill-Fest von der Spenden-Gruppe Round-Table (nur Männer), die auch schon eine Kaffeefahrt auf der Elbe ermöglichten.

Die Gruppe aus dem Kreis Uelzen (entwickelt) ist im Umbruch. Es gibt immer Neu-zugänge, wie auch bei diesem Treffen, aber leider ist auch ein langjähriges Mitglied erst kürzlich verstorben.
Als Kaffee nachgeschenkt wird, stellt sich Karina vor. Die Fragen, die man neuen Mitgliedern in einer MS-Kontaktgruppe stellt, sind andere als zum Beispiel in einer Schulklasse: Wie lange sie schon MS habe, welche Medikamente sie nehme, was sie für Symptome habe, will die belebte Truppe wissen. Mit einem offenen Lächeln stellt Karina sich den Fragen und der Gruppe vor. Frische 27 Jahre und lebensfroh – doch MS-betroffen seit sie 13 ist. „Das wurde mir damals zu Weihnachten ge-schenkt“, berichtet sie. „Aber meinen Eltern fiel es wohl schwerer, ich war zu jung, um wirklich zu begreifen, was das bedeutet.“ Karina arbeitet halbtags als Steuer-fachangestellte und in kurzer Zeit ist sie auch ausgebildete Hundetrainerin. Sie selbst sagt, sie merke MS manchmal an den Augen, habe aber im Großen und Ganzen nur „Luxusprobleme“. Der kleine linke Zeh ist ihr Manko.

Dann gibt Frau Heus einen kurzen Rückblick: In Uelzen wurde ein Tai-Chi-Kurs angeboten, für 2017 ist Yoga geplant. Sie weist auf den Seminarplan hin, fordert auf, etwa Neues auszuprobieren. Im Mai, um den Welt MS-Tag (31. Mai 2017) herum, soll der Film über MS „Kleine graue Wolke“ im Uelzener Kino eine Sondervorstellung bekommen.
Dann war mein Part, mich ordentlich vorzustellen. Es kamen interessierte Nachfra-gen. Das freute mich. Genauso wie Karina, die später auf mich zu kam und mehr über mein Laufen erfahren wollte. Wir schnackten, aber leider zu kurz, wir werden uns via E-Mail weiter austauschen. Mein Zug fuhr (ohne Verspätung) zurück.

Bei der Verabschiedung drückte Frau Heus mir noch ein nachträgliches Geburts-tagsgeschenk in die Hand. Es war Glücks-Tee. Und glücklich über die Treffen, die ich als Botschafterin erleben darf, bin ich auf jeden Fall. Danke.