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Antworten zum Thema: Kontaktgruppe Lüneburg mit vielen Ideen
 
 
Beitrag vom 07.06.2015, 12:50 Uhr
Jana Sussmann
Jana Sussmann
Themenautor
Registriert seit: 15.04.2014
Beiträge: 31
Listensymbol Kontaktgruppe Lüneburg mit vielen Ideen
Besuch der Kontaktgruppe Lüneburg 1. Juni 2015

Endlich hab ich’s zu den Lüneburgern geschafft! Die Kontaktgruppe trifft sich jeden ersten Montag im Monat. Via Zug aus Hamburg angereist, von Frau Heus am Bahnhof eingesammelt, kamen wir pünktlich im Ökumenischen Zentrum St. Stephanus an. Die Tische, in U-Form aufgestellt wie damals in der Schule, waren einladend hergerichtet: Hübsche Servietten, eine große Auswahl an Getränken und Teelichter (die stehen immer nur bei den Teilnehmern, die seit dem letzten Gruppentreffen Geburtstag hatten, dieses Mal zwei Personen).

Die Lüneburger Kontaktgruppe hat sich im März 2014 neu aufgestellt. Das Leitungsteam besteht aus Alexandra Marnetté (Kontaktgruppenleiterin), Gerald Giesert (Kassenwart), Sonja Schade (stellver-tretende Kassenwartin) und Frank Schade. Alexandra Marnetté, die selbst nicht MS-Betroffene ist, aber einfach ein großes Herz hat (und ein Händchen fürs dekorative Tischdecken), erzählte mir: „Hier läuft alles ganz demokratisch ab. Wir vom Leitungsteam machen Vorschläge, ob, wann und wie wir diese umsetzen, entscheiden dann alle gemeinsam. Wir als Leitungsteam kümmern uns dann um das Organi-satorische. Auch jegliche Anregungen aus der Gruppe werden natürlich diskutiert und gegebenenfalls umgesetzt.“

Während des Abends haben alle Anwesenden mitgeredet. 17 Teilnehmer waren wir (Betroffene, Angehörige, Frau Heus, das Leitungsteam und ich). Dabei auch sechs Gruppen-Neuzugänge!
Bei der Vorstellungsrunde starteten Frau Heus und ich. Danach sagte jedes Gruppenmitglied ein paar Sätze über sich selbst. Es wurden Fragen gestellt, Kommentare abgegeben und ein richtiges großes Gespräch kam zustande. Ziemlich interessant fand ich dabei, wie offen einige über ihre MS sprechen, einige ihre Krankheit bei ihrer Vorstellung gar nicht erwähnten. Ganz offen gibt eine Dame zu: „Ich habe meine MS selbst über Jahrzehnte verdrängt, wollte es nicht wahrhaben. Und obwohl es schon so lange her ist, bedauere ich noch immer, meinem geliebten Beruf von damals nicht mehr nachgehen zu können.“ Dieser Satz hat mich sehr berührt. Glücklicherweise haben die meisten Verrenteten eine andere Beschäftigung für sich entdeckt. Bei der Vorstellung sind einige auf das Thema Sport eingegangen. Ihr Fazit: Sport tut gut. Dabei fielen schöne Zitate wie: „Man sagt, MS mag keinen Sport. MS ärgert mich manchmal, also ärgere ich sie auch mit dem Sport.“ Eine Frau, die Yoga neu für sich entdeckt hat, erklärt: „Durch Yoga konzentriert man sich im positiven Sinne auf den Körper. Ich schaue, was geht und nicht wie sonst, was durch die Krankheit nicht geht.“ Wertvoll für mich auch der Hinweis einer Betroffenen „Nennen wir es nicht Krankheit, lieber von der positiven Seite: Wir sind anders gesund.“ Das stimmt!

Unpassend gelegen war für mich der Termin, weil an diesem Abend auch das äußerst wichtige HSV-Relega-tionsspiel stattfand. Derzeit absolviere ich mein Praktikum in einer Zeitungs-Sportredaktion und musste daher am Abend noch Interviews führen und Reaktionen sammeln. Daher musste ich mich schon nach etwa einer Stunde verabschieden. Schade, weil ich mich sehr wohl gefühlt habe. Und – wie ich im Nachhinein erfahren habe – die Überraschungspizza verpasst habe. Bei meinem leicht hektischen Aufbruch wurde mir von der Gruppe ein Dankeschön-Geschenk in die Hand gedrückt. Das habe ich im Zug ausgepackt und nur unbekannte Mitfahrer konnten meine Begeisterung sehen. Es war ein Köfferchen, darin eine lieb geschriebene Karte und ein schnell zum Einsatz kommender Gutschein. Echt toll und lieb! Auch auf diesem Wege noch einmal Danke, liebe Gruppe!

An diesem Abend ist mir dank des Austausches mit der Gruppe eine weitere Parallele zwischen meinem Leistungssport und MS-Betroffenen bewusst geworden: Nicht nur Training klappt viel einfacher in einer Gruppe, auch mit der MS lässt sich gemeinsam, mit anderen Menschen viel besser umgehen.“