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Tagebuch


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Antworten zum Thema: Eine Gruppe mit einem starken Zusammenhalt und Fürsorge füreinander
 
 
Beitrag vom 25.11.2014, 22:21 Uhr
Jana Sussmann
Jana Sussmann
Themenautor
Registriert seit: 15.04.2014
Beiträge: 31
 Eine Gruppe mit einem starken Zusammenhalt und Fürsorge füreinander
Oktober 2014
Besuch der Kontaktgruppe Lilienthal
Wieder habe ich eine Kontaktgruppe besucht. Und die hat Spuren hinterlassen. Wenn ich jetzt, einige Tage später, zurück denke, freue ich mich noch immer und muss schmunzeln. Denn an diesem Nachmittag habe ich oft auflachen müssen.
Geplant war Kaffeetrinken um 15 Uhr.
Wir kamen sehr rechtzeitig im Raum Koppelblick, ein Aufenthalts- und Essensraum des Hospitals und des betreuten Wohnens von Menschen mit Behinderungen an. Zwei nette Damen begannen gerade mit dem Eindecken. Wir haben mitgeholfen und ich war überrascht, für wie viele Leuten Teller und Tassen bereitgestellt wurden.
Nacheinander trudelten die Gruppenmitglieder ein. Um 15:00Uhr waren wir schon viele, aber wohl weniger als sonst, wurde mir von allen Seiten versichert, das ungemütliche Herbstwetter sei wohl der Grund dafür. Aber es kamen – auch noch weit nach 15 Uhr, was ich bisher aus den anderen Gruppen nicht kannte ;) – immer mehr Leute, sodass wir mit allen Besuchs-und Begleitpersonen insgesamt 27 Personen waren.
Besuchspersonen waren Frau Heus, Alexandra Marnetté und ich. Zusammen sind wir aus Winsen nach Lilienthal bei Bremen gefahren. Alexandra nennen alle nur Alex. Sie ist keine MS-Betroffene, aber engagiert sich ohne Ende. Seit kurzem ist sie Leiterin der Kontaktgruppe in Lüneburg. Jahrelang war sie in Bremen dabei, kennt alle sehr gut und jeder scheint sie immer wieder gerne dabei zu haben.
Für die monatlichen Treffen werden die Tische immer schön dekoriert - dieses Mal herbstlich, mit selbst gesammelten Blättern und Kastanien. Die Teilnehmer bringen selbstgebackenen Kuchen mit und – mannomann, war der lecker! Dazu gibt es Kaffee und Tee.
Alles an diesem Nachmittag war so liebevoll - die Kuchen und Tischdekoration, aber auch der Umgang miteinander! Fast jeder kam in den Raum, hat übers ganze Gesicht gestrahlt und alle herzlich begrüßt. „Wir sind hier eine große Familie“ hörte ich viele Teilnehmer glücklich sagen.
Die MS-Gruppe (Osterholz-Scharmbeck) in Lilienthal existiert schon lange, im nächsten Jahr feiert sie ihr 30-jähriges Jubiläum. Herr Kern ist der Leiter der lebhaften Gruppe. Ein fantastischer Mann. Er sieht so nett aus mit seinen großen blauen Augen und weißem Haar. Dazu ist er lustig und charmant, dass ich ihn am liebsten umarmt hätte.
Wir begannen Tee und Kaffee auszuschenken und die vielen Torten und Kuchen anzubieten. Die Atmosphäre war locker, viele Gespräche kamen auf, es wurde laut geschnackt und gekichert. Die Gruppe legt viel Wert auf die Gemütlichkeit und das monatliche Zusammensitzen.
Als alle aufgegessen haben, ihnen nachgeschenkt wurde, kam das Organisatorische zum Zuge (Gänseessen nächsten Monat). Als alle Namen von einer Liste aufgerufen wurden, um die Teilnahme abzufragen, wurde mir wieder bewusst, dass die meisten Leute um mich herum von der Krankheit MS betroffen sind, denn oft hörte ich die Aussagen: „Nein, ich nicht. Ist zu lange“. Dazu klingt etwas Traurigkeit in der Stimme mit. Ein Tag wie der geplante – mit einem Treffen um 10:30 Uhr, einer einstündigen Busfahrt in die Gaststätte, dem Essen, eventuell einen kleinen Spaziergang, dann einer Tasse Kaffee und die Rückfahrt – das ist für viele MS-Betroffene nicht so einfach zu wuppen.
Dann wurde Frau Heus ihr Anliegen los. Die Gruppe ist sehr interessiert., Es gab viele Nachfragen und plötzlich wurde eifrig diskutiert, ob es ein Fluch oder Segen sei, die Diagnose MS möglichst früh zu bekommen. Viele meinen, es sei gut, wenn man nichts davon wisse, weil man damit etwas länger Lebensqualität bekommt, weil es ja sowieso keine „heilenden“ Medikamente gibt. Aber auch die Stimmung bei diesem ernsten und bedrückenden Thema wich schnell wieder der ausgelassenen Heiterkeit. Als Herr Kern sprach und erzählte, gab es viele Zwischenrufe und lustige Kommentare.
Viele Scherzkekse saßen dort am Tisch.
Später habe ich mich noch kurz vorgestellt und von meinem Ziel als Botschafterin erzählt. Dabei habe ich mich bei meinem Alter vertan und erst bei der Rückfahrt nach Hause ist es mir aufgefallen. Vor kurzem hatte ich Geburtstag und mich selbst noch nicht daran gewöhnt, dass ich nun 24 Jahre alt bin. Für mich völlig unerwartet wurde mir von allen nachträglich gratuliert! Und alle zusammen haben für mich ein Ständchen gesunden. Da war das schönste! Jana Sussmann