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Antworten zum Thema: Eine Kontaktgruppe, klein aber fein, mit Freude an Geselligkeit
 
 
Beitrag vom 07.10.2014, 16:05 Uhr
Jana Sussmann
Jana Sussmann
Themenautor
Registriert seit: 15.04.2014
Beiträge: 31
 Eine Kontaktgruppe, klein aber fein, mit Freude an Geselligkeit
Besuch bei der Kontaktgruppe Lüchow-Dannenberg im September 2014

Mit meinem Vorhaben, jede MS-Kontaktgruppe einmal zu besuchen, komme ich immer weiter voran und mache dabei die tolle Erfahrung, dass jede Gruppe auf eine interessante Art und Weise anders ist. Jede bietet völlig unterschiedliche Charaktere, hat spezielle Probleme und unterschiedliche Voraussetzungen. Die Reise ging zur Kontaktgruppe Lüchow-Dannenberg. Ich war vorher noch nie im Wendland und wusste gar nicht, wie schön die Stadt Lüchow ist! Alles sieht so niedlich aus und es gibt eine wunderschöne Innenstadt und niedliche Fachwerkhäuser.
Die Gruppe trifft sich dieses Mal in einem Hotelcafé. Es ist ein Samstagnachmittag, alles wirkt friedlich. Frau Heus und ich finden unseren Zielort nicht sofort, sehen dann aber eine Dame in ihrem Rollstuhl im Sonnenschein die Straße entlang kurven. Frau Heus erkennt sie schnell: Es ist Frau Richard auf dem Weg zum Treffpunkt. Wir folgen ihr also (unauffällig) zum Hotelcafé.
Wir nehmen mit Frau Richards die Rampe statt der Treppe, um auf die Terrasse zu gelangen. Es verdeutlicht uns wieder, dass Rollstuhlfahrer nicht in jedes Café hineinspazieren können, sondern vorher immer abgeklärt werden muss, ob es barrierefrei bzw. behindertengerecht ist.
Es sind nicht viele Teilnehmer, die heute eintrudeln. Frau Heus, drei Betreuer und mich mitgezählt sind wir zu neunt - alles Damen und die Hündin Lene von Frau Herrmann. Wir bestellen leckeren Kuchen und Kaffee und schnacken. Nicht alle, die heute da sind, kennen sich bereits. Frau Baumgartner nimmt heute das erste Mal am Gruppentreffen teil. Noch bevor das Bestellte gebracht ist, wird klar, dass „die Welt klein ist“: Frau Baumgartner hat einen Bruder, der lange Zeit der Tierarzt von Lene war.
Ein Thema ist auch Kurzurlaub. Für einen MS-Betroffenen ist die Planung noch schwieriger als sie sowieso schon ist. Schon bei der Anreise stellt sich die Frage, ob es möglich ist, mit dem Zug zu fahren? Muss für die Zeit ein Pflegedienst bestellt werden? Und sind die Wege vor Ort nur aus Pflastersteinen oder kann man mit dem Rollator oder Rollstuhl gut umherfahren? Es gibt einige (aber leider noch zu wenig) behindertengerechte Hotels, in denen alles unterfahrbar ist und es zum Beispiel Pflegebetten und breite Gänge gibt. Das ist gut so, denn die gesellschaftliche Teilhabe ist für MS-Betroffene enorm wichtig.
So schön die Region im Wendland auch ist, es gibt ein gehöriges Problem mit der Infrastruktur, was der Hauptgrund für die geringe Teilnehmerzahl an den Gruppentreffen ist. Viele sagen das Treffen ab, weil die Anreise eine so große Hürde darstellt. Das Netz des öffentlichen Nahverkehrs ist schlecht ausgebaut und ein Taxi ist sehr teuer. Das ist schade. Auch Frau Fricke ist traurig darüber. Diese Dame, wie ich während der Gespräche erfahre, hat einen unfassbaren Leidensweg hinter sich. Immer, wenn sie eine schlimme Sache fast überstanden hatte, kam die nächste, sie lag zwischendurch sogar im künstlichen Koma. Das alles kann ich beim Anblick dieser Power-Frau kaum glauben. Auch wenn sie im Rollstuhl sitzt, wirkt sie so agil. Es ist beeindruckend, wie sie sich zurückgekämpft hat und damit setzt sie um, was mein Motto als Botschafterin vermitteln soll: „Wer gewinnen will, darf nicht ans Verlieren denken.“
Frau Frickes Kinder und ihre Schwester haben sie sehr unterstützt. Und das macht mir wieder deutlich, wie wichtig Angehörige oder überhaupt Menschen, die MS-Betroffenen helfen, sind.
Jana Sussmann