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Beitrag vom 07.06.2015, 12:39Uhr
Jana Sussmann
Jana Sussmann
Themenautor
Registriert seit: 15.04.2014
Beiträge: 31
 Kontaktgruppe Verden/Achim mit Blick auch über den Tellerrand
Besuch der Kontaktgruppe Verden 15. April 2015

Das erste Mal in diesem Jahr habe ich wieder eine MS-Kontaktgruppe besucht. Und dabei ist mir bewusst geworden, wie sehr ich das vermisst habe. Die Sonne schien vom blauen Himmel. Es war so ein Tag, an dem die Luft im Auto drückend und heiß ist. Aber darüber möchte ich mich gar nicht beschweren, so etwas zeigt ja, dass der Sommer näher rückt. Die Kontaktgruppe Verden trifft sich einmal im Monat im Likedeeler. Das ist ein Bio-Restaurant, das leckere, ausschließlich ökologisch hergestellte Speisen anbietet. Die Kuchen sind selbstver-ständlich hausgemacht, die Einrichtung passt zum gesamten Flair und selbst die Seife auf der Gästetoilette ist Naturkosmetik, das Rundumpaket stimmt. Die Bezeichnung Likedeeler hat mich beschäftigt, weshalb ich recherchierte:
Der Hamburger Seeräuber Klaus Störtebeker war Anführer der Vitalienbrüder, die sich auch als Likedeeler bezeichneten. Die Bezeichnung Likedeeler kommt aus dem Niederdeutschen und bedeutet „Gleichteiler“, was sich auf die Aufteilung der Beute bezog. Ab 1398 wird der Fokus des Begriffs auf die soziale Organisation der Bruderschaft gerichtet. Zudem impliziert Likedeeler Loyalität und gegenseitige Unterstützung, was den inneren Zusammenhalt des Seeräuberbundes gefördert hat.
Soso, das passt ja auch zu einem Gruppentreffen, einer Selbsthilfegruppe MS-Betroffener.
Brigitte und Günter Bode leiten die Gruppentreffen, seit 15 Jahren schon. Im Oktober hat die Kontaktgruppe Verden/Achim ihr 35-jähriges Bestehen. Ich schreibe „Kontaktgruppe Verden/Achim“, weil es zwar für jeden Ort monatlich ein eigenes Gruppentreffen gibt, das aber nur organisatorische Gründe hat. Die Entfernung zum Treffpunkt spielt eine Rolle und nicht jeder Betroffene hat am Mittwochnachmittag (für den Treff in Verden) Zeit, denn viele sind berufstätig. Die Achimer Gruppe trifft sich samstags. Die Teilnehmer kennen sich aber untereinander und sind bei anderen Veranstaltungen, die außerhalb der Gruppentreffen stattfinden, gemeinsam dabei. Da gibt es Spielenachmittage, Aktionen wie einen Muttertagsausflug oder gemeinsame Kinobesuche (wie die Premiere „Kleine graue Wolke“ im Mai, ein Film über MS!). Einmal im Jahr findet auch ein Seminar in Papenburg statt, in diesem Jahr – voll cool – zum Thema Rhetorik.
Das Ehepaar Bode ist enorm engagiert. Sie machen sich viele Gedanken über und für die Gruppe. Sie haben zum Beispiel eine Partnerschaft mit der Rügener Kontaktgruppe ins Leben gerufen. Im September reisen zum dritten Mal etwa 20 Leute nach Stralsund und verbringen dort einige erlebnisreiche Tage mit den Betroffenen der Kontaktgruppe Rügen.
An diesem Nachmittag waren 25 Leute anwesend: Betroffene und deren Begleitung, Frau Heus, sogar eine Journalistin und eine junge Dame, die zum ersten Mal am Gruppentreffen teilnahm. Das fand ich toll! Völlig selbstverständlich wurde sie sofort in Gespräche und die Planungen mit einbezogen. Sicherlich weiß Frau Heus auch ihren Namen schon, denn was auch ich schon so oft gedacht habe, hat die Gruppe angesprochen: Wie kann es sein, dass Frau Heus zu nahezu allen Gesichtern die Namen weiß - inklusive Vornamen? Lachend kam die Gruppe zu dem Schluss, Frau Heus lerne die Mitgliederliste auswendig, auf der Fahrt nach Verden musste ich sie sicherlich abfragen.
Die Gruppe ist insgesamt sehr quirlig, es war lebhafte Stimmung mit viel Gelächter. Als Herr Bode ein paar Worte loswerden und organisatorische Dinge klären wollte, war es gar nicht leicht, das Geschnatter ruhig zu bekommen.
Stiller war es, als Frau Heus die Verbandsarbeit ansprach, auf die bestehenden Kontakte und die "bekannten Gesichter" einging. Wir kamen auf die Krankheit MS zu sprechen. Die Betroffenen erzählten, man wolle es anfangs nicht wahrhaben, „Weltmeister im Ignorieren sind wir ja alle.“ Aber dann kommt die Erkenntnis, dass das nichts bringt: „Leiden macht auch keinen Spaß.“
Ein Erfahrungsaustausch in einer Kontaktgruppe hilft, das zu begreifen und die Sichtweise zu drehen. Günter Bode sagte, der Wahlspruch der Kontaktgruppe Verden ist: „Wir sind nicht die schnellsten, aber die lustigsten!“
Die Gruppe möchte zeigen: Es gibt auch ein (schönes) Leben mit MS. Und mir hat die Gruppe das mit diesem Treffen eindeutig bewiesen.

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